ISE Thassos/Griechenland Fluck
ISE Thassos/Griechenland Fluck

Leitlinien und Grundhaltung

Grundsätzlich wird die pädagogische Arbeit von einer humanistischen Grundhaltung und von einer methodischen Vielfalt geprägt. Das angemessene Angebot an „Beziehungsarbeit“ und ein sensibler Umgang mit Übertragungsbeziehungen und alten Beziehungserfahrungen sind ein wesentlicher Aspekt für die Arbeit der Pädagogen. Dabei kann es einzelfallbezogen darum gehen, intensiv und langfristig „Beziehung“ anzubieten, um beispielsweise Bindungs- und Beziehungsstörungen aufzugreifen, aber auch bewusst professionelle Distanz zu wahren, eine Lebens- und Wohngemeinschaft „an Familie“ zu ermöglichen, um junge Menschen nicht in ihren Beziehungsfähigkeiten oder auch Ängsten zu überfordern oder der Herkunftsfamilie nicht genügend Raum zur Entwicklung zu geben.

 

Der Lebensalltag wird sowohl durch eine ganz klare Strukturierung und sich rhythmisch wiederholenden Abläufen geprägt. Die Jugendlichen sollen bei uns eine Alltagsgestaltung in verlässlicher Kontinuität erleben und ihre traumatischen und negativen Beziehungserfahrungen und Verhaltensprobleme bearbeiten lernen. Zudem sollen sie in unserem Haus Geborgenheit und Sicherheit vor Übergriffen und Gewalterfahrungen erhalten.

Sie sollen lernen, sich auf neue Beziehungs- und Verhaltensmuster einzulassen und sich selbst und andere als wertvoll wahrzunehmen, sich positiv zu erleben, mit dem Ziel Selbstsicherheit und Vertrauen, Eigenverantwortung und Orientierung zu gewinnen und erzieherische Defizite zu kompensieren.

Neben unserer täglichen Anwesenheit, täglichen Gesprächen und Austausch mit den Jugendlichen, versuchen wir sie in neue soziale Netze zu integrieren.

 

 

In der sich an den Hauptschulabschluss anschließenden berufsschulisch / beruflichen Förderung, legen wir besonderen Wert auf eine intensive Zusammenarbeit mit den Berufsschulen, Ausbildungsstätten und Betrieben, damit insbesondere eine neue „Schul- und Ausbildungszufriedenheit“ entwickelt werden kann. Hier stehen wir, wenn nötig, im täglichen Austausch. Eine intensive Betreuung und Begleitung bei den Hausaufgaben ist obligatorisch, ebenso die gezielte Förderung bei schulischen Defiziten. Wir versuchen somit neben dem Bildungsauftrag auch den erzieherischen und den Persönlichkeit entwickelnden Auftrag von Schule und Beruf zu unterstützen.

 

Der Jugendliche soll, seinen Bedürfnissen entsprechend, im Kontakt zu seiner Herkunftsfamilie die nötige Sicherheit, Orientierung und Unterstützung erfahren. Der Jugendliche und seine Familie sollen eine entsprechende Beziehung erarbeiten und aufbauen können, die eine eventuelle spätere Rückkehr des Jugendlichen in den elterlichen Haushalt ermöglicht. Erstes Ziel in der Zusammenarbeit zwischen den BetreuerInnen der Intensivgruppe und der Herkunftsfamilie ist die gegenseitige Akzeptanz, damit Loyalitätskonflikte zwischen uns und seiner Familie möglichst vermieden oder bearbeitet werden können. Die Familie des Jugendlichen hat so weiterhin die Möglichkeit an der Entwicklung teilzunehmen. In einigen Fällen wird eine solche Elternarbeit wegen der Vorgeschichte des Jugendlichen, nicht möglich sein. Wir sind um eine Zusammenarbeit mit den Eltern sehr bemüht.

Methodische Grundlagen

Wesentliche, charakteristische Elemente unserer Arbeit sind ein Leben unter einfachen Bedingungen (z.B. Abgeschiedenheit und Einsamkeit im Winter, zeitlich begrenzte Medien- und Internetnutzung), verbunden mit Kontinuität und Intensität der Beziehungen(Jugendliche und Erwachsene) mit klaren Regeln und Ritualen für das Zusammenleben. Kinder und Jugendliche erleben Geborgenheit dadurch, dass sie unter einem Dach mit dem pädagogischen Personal wohnen und die Anforderung des Alltags mit ihnen gemeinsam bewältigen. Sie beteiligen sich daran, gemeinsame Ziele zu suchen und zu bewältigen. Sie erleben Gemeinschaft, indem gemeinsame Aufgaben gelöst werden, Sie übernehmen Verantwortung für sich selbst und die Gruppe.

In unserer Intensivgruppe soll der Jugendliche existenzielle Annahme, Wertschätzung, Schutz und Geborgenheit erfahren. Hier gilt insbesondere, dass die Pädagogen Verständnis und Empathie für das bisherige Verhalten und den biographischen Erfahrungen der Jugendlichen aufbringen. Durch Vertrauen und Förderung in bestimmten Situationen sowie in ständigen Gesprächen und Reflexionen wollen wir die Jugendlichen in folgenden Punkten stärken:

 

  • Bearbeitung von Abwehrmechanismen, Vermeidungsverhalten, sowie von negativen Vorerwartungen und Lebenseinstellungen durch positives Alltagsgeschehen und Reflexion

  • Förderung von Selbstvertrauen, positivem Selbstwertgefühl und sozialen Kompetenzen (wie Konfliktfähigkeit, angemessenes Kommunikationsverhalten etc.), durch Ermutigung, Unterstützung und durch das Schaffen von Raum und Sicherheit zum Ausprobieren neuer Verhaltensweisen

  • Orientierung an und Förderung von vorhandenen Ressourcen des Jugendlichen und somit dem Transfer in den Alltag

  • Individuelle und differenzierte Hilfen bei der Bewältigung lebenspraktischer Anforderungen im Alltag

  • Bearbeiten erzieherischer Defizite und die Entwicklung alters- und situationsadäquaten Verhaltensmustern durch liebevolles, aber konsequentes und strukturierendes Erziehungsverhalten, sowie reflexive Techniken.

  • Aufbau eines realistischen Selbstbildes, Förderung der Reflexion und der Artikulation

  • Akzeptanz durch gemeinsames Tun

  • Gemeinsame Erarbeitung adäquater Konfliktlösungsstrategien

  • Erarbeitung von Ausdauer, Anstrengungsbereitschaft, Steigerung der Frustrationstoleranz und Entwicklung einer positiven Arbeitshaltung.

  • Erweiterung der Lernbereitschaft und Schulmotivation über die Begleitung und Unterstützung in schulischen Belangen, wie Hilfen bei den Hausaufgaben und Kooperation mit den Lehrern

  • Zeit und Raum für individuelle Bedürfnisse

  • Entwicklungs- und Selbständigkeitsförderung

  • Hilfen bei Kontakten zu Ämtern und Behörden

    1. Externe pädagogische Hilfen

 

Es ist für uns selbstverständlich, dass wir die bei uns untergebrachten Jugendlichen bei Bedarf in folgenden Dingen unterstützen und begleiten:

 

  • Initiierung und Begleitung therapeutischer Angebote wie Ergotherapie, Psychotherapie (sofern der für die Einrichtung tätige Therapeut über keine freien Kapazitäten verfügt), Reittherapie und logopädische Behandlung

  • Enger Kontakt zu Lehrern und Ausbildungsbetrieben

  • Aufbau angemessener Lern- und Sozialräume z.B. durch Integration in Vereine der nahe liegenden Orte, Nachbarschaft, Freundschaften, Peer-Groups etc.

  • Sicherstellen der Gesundheitsvorsorge und evtl. der ärztlichen Begleitung

  • Gestaltung der Besuchskontakte und angemessener Einbezug der Herkunftsfamilie in unsere erzieherische Arbeit und den Entwicklungsverlauf des Jugendlichen; nach Bedarf und Zielsetzung im Rahmen des Auftrags der Hilfeplanung

  • Angebot von Kontakten im Rahmen der Nachbetreuung bei Beendigung der Maßnahme.

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